Mit der Stena nach Stockholm...?

Es war alles so genau geplant wie Lennard und ich eben Dinge planen. Wir fahren mit unserem “neuen” T4 erst in den Wildwasserurlaub in die Alpen, kommen am Sonntag wieder und laden früh am Montagmorgen Kai, Jonathan und Jasper samt Sack und Pack und Kajak ein und düsen weiter nach Norden in die schwedischen Ostschären. Den Bus hatte Lennard gerade unter großem Zeit- und Arbeitsaufwand vor der Abreise in die Alpen noch “fertig” gemacht. Das heißt: Der Motor lief. Das tat er auch eine ganze Weile, nämlich ziemlich genau 3000km, bevor er irgendwo an einer kleinen Landstraße am Inn in der Schweiz einfach nicht mehr ansprang. Dank der gelben Engel kamen wir wieder nach Norden, das Auto sollte einige Tage später folgen.

Schon auf der Fahrt im Zug zurück nach Kiel überlegten wir, wie die Jugendfahrt noch zu retten war, denn Absagen kam nicht in Frage. Die meisten Autos, die in Frage gekommen wären, waren selbst im Urlaub, oder wurden anderweitig gebraucht. Da wir jetzt schon Donnerstagnacht ankamen, wurde für Freitag eine Notstand-Fahrtenbesprechung einberufen. Hier hatte Jens die glorreiche Idee, mit der Stena Line nach Stockhol… äh Göteborg zu fahren, das hätte er und andere Klubmitglieder schon gemacht und die Westschären seien doch auch ganz schön. Kurzerhand wurde Hin und Rückfahrt gebucht und obwohl wir doch recht kurzfristig dabei waren, gab es für beide Fahrten noch verhältnismäßig günstige 5er Kabinen.

Am Sonntagnachmittag trafen wir uns dann alle zum Boote packen, was durch viele gut(gemeint)e Ratschläge der zahlreich erschienenen Eltern bereichert wurde, schnallten sie dann auf unsere Bootswagen und stiefelten zu Fuß zum Stena Terminal. Dort durften wir mit unseren “Fahrrädern” auch gleich an Bord befestigten sie mit Gurten und genossen dann auf dem Deck den ersten von drei von Eltern gebackenen Kuchen. Als wir ablegten und losfuhren und uns allmählich zu kalt wurde, suchten wir uns einen Platz im Schiff und spielten die erste (aber bestimmt nicht die letzte) Runde Munchkin des Urlaubs.

Am nächsten Morgen wurde wieder an Deck in der Sonne gefrühstückt und die Aussicht genossen. Der Weg vom Schiff runter bis zu einer Stelle, wo man einigermaßen gut einsetzen kann, war erstaunlich kurz. Die Bootswagen wurden angeschlossen, die letzten Sachen verstaut und schließlich konnten wir eines nach dem anderen die Boote zu Wasser lassen und losfahren. Immer noch bei fast Windstille und Sonnenschein, versteht sich.

Erstmal ging es raus aus dem Industriehafen Richtung Westen. In Hönö wollten wir in einer kleinen Bucht anlanden und setzten dabei auf einer Sandbank auf. So holten wir uns alle das erste mal nasse Füße. An einem kleinen Kiesstrand konnten die Boote gelagert werden, hoch genug, dass sie uns bei steigendem Wasserstand nicht davonschwimmen konnten. Denn hier oben hat die Ostsee schon so viel Nordseeeinfluss, dass tatsächlich ein kleines bisschen Tidenhub zu beobachten ist, so 30, 40 cm. Dann machten wir uns auf ein paar frische Lebensmittel zu besorgen und vernichteten anschließend den zweiten von drei Eltern- Kuchen. Anschließend ging es weiter um Hönö herum bei größer werdenden Wellen, Bis wir schließlich in einem kleinen Kanal im Schutz vor der Brandung einen kleinen algigen Sandstrand zum Anlegen fanden.

In den nächsten Tagen ging es weiter an der Westküste Tjörns entlang in Richtung Norden, meistens mit 2 bis 4 Windstärken Nord-Ostwind, bedecktem Himmel, oder Sonnenschein, so dass wir an den Inseln und an der Küste im Windschatten fahren konnten. Übernachten konnten wir auf der paradiesischen Insel Ängholmen, mit einer schönen Sandstrand Bucht und (trockener) Rasenfläche zum Zelten. Später diente das Ufer einer völlig verschlammten, ca 20cm tiefen Bucht als Schlafplatz. Sie war durch einen muscheligen Durchstich zu erreichen, der allerdings nur bei Hochwasser genug Wasser führte um die Boote hindurch zu schieben, beim Rückweg hatten wir Ebbe, so dass Jonathan und Lennard sich opferten mit dem Klappspaten eine Rinne für die Boote auszuheben.

Am Freitag ging es dann im Norden um Tjörnö weiter, wo es deutlich geschützer ist und die Schären eher wie die Ostschären aussehen. Am Samstag hatten wir dann unseren längsten Paddeltag mit 25km. Es ging aus dem schönen Gebiet heraus bei mäßigem Wetter immer weiter nach Süden, immernoch um Tjörn herum. Unter Brücken durch und verschiedene Fahrwasser kreuzend. Um uns die Zeit auf der vergleichsweise langweiligen Fahrt zu vertreiben spielten wir stundenlang: "Ich packe mein Kajak, und nehme mit...", "Wortkette" und "Assoziationskette" und dichteten mindestens 20 neue Strophen zu "Alle die mit uns Kajak fahren, müssen Männer mit Bärten sein...".

Trotz der langen Tour und dem zunehmend schlechter werdenden Wetter, war am Abend noch genug Energie vorhanden um eine Expedition zu einer alten Mühle zu starten, die allerdings wegen einfallender Dunkelheit abgebrochen werden musste.

Am Sonntag mussten wir beim Frühstück leider feststellen, dass bis auf unser reserve Knäckebrot, alles Brot verschimmelt war. Deshalb beschlossen wir unser Glück in Marstrand zu versuchen, in der Hoffnung einen Einkaufsladen zu finden , der Sonntags geöffnet hat. Tatsächlich stellte sich der Ort dann als Touri Ort heraus, da es hier die Carlstens Fästning zu bewundern gab, so dass das Einkaufen kein Problem darstellte. Im Hafen war sogar eine Art Volksfest zugange, jedenfalls liefen eineige Leute mit historischen Klamotten, Pferde Kutschen und sehr alten Autos herum. Abends gings dann wieder auf unsere Lieblingsinsel Ängholmen.

Montag und Dienstag ging es dann weiter Richtung Süden. In unser Übernachtungsbucht haben die Jungs zahlreiche Krabben geangelt (Muschel aufmachen und mit einer Wäscheklammer, die an einer Schnur befestigt ist, einer Krabbe direkt vor die Nase halten, wenn sie sich festhält, herausziehen) und wieder laufen lassen. Mittags fanden wir den ersten richtigen Schärenpool zum Baden, wir fuhren noch einmal nach Hönö zum Einkaufen und kreuzten schließlich den Göteborgfjord, um uns in den Südschären einen Übernachtungs- und Pausenplatz zu suchen. Auf Galterö fanden wir in einer Art Kanal einen flachen trockenen Rasen, an dem man die Boote einfach heraus ziehen und prima zelten konnte. Allerdings mussten wir uns die Insel mit zahlreichen Schafen und Touristen teilen.

Eine Kilometerbilanz ergab, dass wir abzüglich der 5km die wir am Freitag noch fahren würden, von der schon ausgesuchten Insel bis zum Fähranleger, noch 17km fahren mussten um auf genau 200km für die Fahrt zu kommen. Da wir am Donnerstag starken Südwind hatten, fuhren wir nach Süden aus dem Kanal heraus, im Windschatten vershiedener Inseln nach Osten um dann den Rest der Strecke zurück nach Norden zu surfen und genau unsere fehlenden 17km voll zu machen. Freitag Mittag konnten wir dann endlich auf das Schiff und Duschen. Am Samstag morgen waren wir um 10 wieder am Klub.

Insgesamt war es eine schöne Tour. Wir hatten meist schönes Wetter und trotz der 9 Jahre Altersunterschied zwischen mir und Jasper, waren wir eine sehr homogene Gruppe. Es war extrem entspannt ohne Auto unterwegs zu sein, auch wenn die Westschären gegenüber den Ostschären einige Nachteile haben. Sie sind deutlich bevölkerter, rauer und der Schärengarten ist nicht so breit wie im Osten. Dazu kommt dass man überall einkaufen kann und es viele Sandstrände gibt (Wo bleibt denn da das Abenteuer), was einhergeht mit fehlenden Badefelsen, weil das Wasser meist zu flach ist. Wer also Abenteuer, Einsamkeit und Badefelsen sucht (oder keinen Sand mag), der sollte lieber in die Ostschären fahren. Wer gerne am Strand aussteigt, jeden Tag einkaufen möchte und mit relativ ungeschützten Überfahrten kein Problem hat, der sollte auch die Westschären mal ausprobieren

Elisa

Schweden 2013

In Blankaholm sind wir gut gelaunt bei Sonnenschein Richtung schwedische Schären in See gestochen. Auf der ersten Insel war es dann so weit, der große Streit um die Zeltplätze war eröffnet und es war eine starke Umstellung vom Zelten auf einem Campingplatz zum Zelten in der freien Natur. Das heißt in erster Line kein fließendes Wasser und keine geraden, mit Gras bewachsenen Zeltplätze mehr. Der Tagesablauf war immer ähnlich: Nachdem wir täglich von der Sonne geweckt wurden, war erst einmal waschen angesagt - Baden in der Ostsee. Anschließend haben wir gemeinsam gefrühstückt, Zelte abgebaut und Boote gepackt. Dann ging es wieder auf die Ostsee, immer Richtung Norden. Mittags gab’s dann eine kurze-lange Badepause und gegen Abend haben wir uns eine Insel zum Übernachten gesucht, bei der Auswahl gab es nicht selten eine Diskussion, welche Insel denn nun die beste sei. Nachdem wir uns dann entschieden hatten, zogen wir die Boote raus, bauten unsere Zelte auf und haben Essen gekocht. Auf der Speisekarte standen überwiegend Gerichte mit Nudeln und Reis. Ach ja, und übrigens Pizza mit einem Campingkocher zu machen verbraucht erstaunlich viel Gas Wenn man nicht genug Gas mitgenommen hat, kann das leicht von denen ausgenutzt werden, die noch welches haben. Ich meine mich zu erinnern, dass Lennard und Elisa die letzten Tage nicht abwaschen brauchten. Nach dem Abendessen wurde dann noch mit dem wahnsinnig faszinierenden Element Feuer experimentiert oder auf der Ukulele herumgeklimpert. Sobald dann, nachdem es dunkel geworden war, die Mückenarmee anrückte strebten meist alle danach, das Zelt aufzusuchen und zu schlafen. Die Antwort auf die Frage am nächsten Morgen: "Hast du gut geschlafen?“ hing stark von der Beschaffenheit des Zeltplatzes ab. Ich kann mich noch gut an den Morgen erinnern, wo ich mich am Fußende des Zeltes in einem Erdloch wiederfand, weil unser Zelt auf einer Schrägen aufgebaut war. Schön war allerdings, dass man beim Einschlafen keine störenden Geräusche wie vorbeifahrende Autos oder ähnlichem hatte. In seltenen Fällen kam es sogar dazu, dass Maik und ich den Gesang von Isi und Laura genießen durften. Nach insgesamt ca. 200 Kilometer zurückgelegter Padellstrecke kamen wir an unserem Zielort an (s.S.51). Aufgrund der zahlreichen Sonnenstunden und der meist gut gelaunten Jugendgruppe hatten wir einen schönen Urlaub.

Moritz